Auf einem Bein steht es sich schlecht!

February 12, 2017

Kann das Zufall sein? Da beschäftige ich mich mit dem Thema "Regelbrechen" und dann erschien in der 01/2017 Ausgabe des Harvard Business Manager ein Artikel "Die Regelbrecher". Voller Vorfreude und hoch motiviert bestellte ich mir die Online-Ausgabe. Hoffte ich doch auf den ein oder anderen Input für meine Arbeit. Doch schon der Einführende Abschnitt  machte deutlich, hier geht es um das Regelbrechen am Markt. Also wie können Unternehmen den Markt in dem sie tätig sind revolutionieren.

 

Mit ist bewusst, das diese Art von Regelbruch für die Zukunft von Unternehmen sehr wichtig ist. Und die Zukunft jenen gehört, die es schaffen die Regeln des Marktes zu kennen und die richtigen Regeln zu brechen um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Übrigens wenn Unternehmen Regeln brechen, profitiert in vielen Fällen auch die Gesellschaft. Schließlich haben wir den Wohlstand in dem wir heute in Europa Leben unter anderem auch Unternehmen zu verdanken die die Regeln des Marktes gebrochen haben. Nehmen wir nur mal C&A. Das Unternehmen wagte den Schritt weg von der Einzel-Maßanfertigung, hin zu Konfektionsgrößen und Serienfertigung. Durch diesen Regelbruch konnte sich plötzlich auch die einfache Arbeiterschicht mehrere Kleidungsstücke leisten. Oder IKEA, ein anderes Nennenswertes Beispiel aus der noch etwas neueren Zeitgeschichte. IKEA stellte die gängigen Annahmen über den Möbelmarkt in Frage, und fing an Regeln zu brechen. So überlies IKEA den Transport und die Montage der Möbelstücke dem Endkunden. Dieses Vorgehen war zuvor ein undenkbarer Gedanke. Und wieviele von uns haben heute Produkte der Unternehmen in Gebrauch? Dabei stehen die beiden als Stellvertreter vieler Anderer. Ich nenne diesen Regelbruch nach Außen gerichtet. 

 

 Und doch wird um die Zukunft zu gestalten, der Regelbruch nach Außen nicht ausreichen. Wie heißt es so schön, auf einem Bein steht es sich schlecht. Und so wichtig diese Art von Regelbruch ist, so glaube ich, dass wir eine andere Art von Regelbruch ebenso dringend brauchen. Den Regelbruch nach Innen, die Verhaltensinnovation. Oder in Bezug auf den Regelbruch, Menschen die den Mut haben, das bestehende Regelset in Unternehmen zu hinterfragen, und bei Bedarf die Regeln zu brechen.

Dabei geht es nicht um ein sinnloses brechen von Regeln, weil es einem halt gerade so passt. Das wäre nicht zielführend und würde niemandem wirklich weiter helfen.

Es geht um ein verstehen der Regel. Auf Grundlage welcher Bedingungen existiert die Regel. Und dann ganz bewusst die Regeln zu brechen, deren Grundlage nicht mehr existiert. 

 

Wenn ich mir erlauben darf, hier an der Stellen nun Henry David Thoreau zu zitieren der da so schön feststellte:  "Any fool can make a rule, and every fool will mind it."  Ich empfehle jetzt kurz inne zuhalten und genau darüber nachzudenken.

 

In vielen, vor allem schon reifen Organisationen begegnet uns eine Vielzahl an Regeln. Ich nenne dieses existierende Regelset mal ganz salopp historisch gewachsen. Gerade Krisenzeiten oder Zeiten der Unsicherheit bringen das reflexartige erstellen von Regeln mit sich. Wenn die Manager schon nicht mehr den Markt oder die Konkurrenz kontrollieren können, dann doch wenigstens die Mitarbeiter. Und so werden unkontrolliert Regeln eingeführt um wieder ein Gefühl der Kontrolle zu bekommen. Aber was passiert mit den Regeln wenn die Krise erfolgreich gemeistert wurde?  Das Unternehmen die Herausforderung gemeistert hat? Leider in vielen Fällen nichts. Denn wie heißt es so schön "never change a running system.

 

Auch wenn Manager oft dem Markt, den schweren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder gar den Geldgebern die Schuld für mangelnde Innovation in die Schuhe schieben, so liegt der Stolperstein auf dem Weg zum innovativen Unternehmen nicht selten im Regelset der Organisation selbst. 

 

Aus diesem Grund sollten die Unternehmen nach Regelbrechern lechzen. Anstelle von langweiligen Stellenausschreibungen, in der nach der puren Konformität gesucht wird, sollten Unternehmen aktiv Regelbrecher suchen. Und damit meine ich nicht neue Mitarbeiter einstellen, dann einen Alibi-Satz loswerden "du bist ja noch nicht Unternehmensblind, also ist deine Meinung wichtig!" um sofort alles daran zu setzten die Person in eiles Geschwindigkeit zu einem konformen Verhalten und Tunnelblick zu motivieren. Ich meine ganz bewusst Mitarbeiter zu suchen und zu fördern die den Sinn hinter dem Status Quo verstehen wollen, um dann auf die Regeln zu deuten, die das Unternehmen daran hindern, neue und innovative Wege zu beschreiten.

 

Meiner Erfahrung nach bedeutet das ein massives Umdenken in den Chefetagen vieler Unternehmen. Und das ist dann auch schon das Stichwort für meinen ersten Gastbeitrag und Buchtip. Nächste Woche wird euch Regina das Buch "Umbruch in der Chefetage" vorstellen. Und euch an ihren Erfahrungen als Querdenker und Regelbrecher teilhaben lassen. 

 

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