Regeln brechen oder Regeln umgehen, was bringt Unternehmen wirklich voran

July 9, 2018

Diese Woche hatte ich mehrere interessante Gespräche zum Thema Digitalisierung, Design Thinking, Zukunft, Innovation, bewahren und verändern. Es ist für mich immer wieder spannend und interessant die verschiedenen Meinungen zu diesem Themengebiet zu hören.  Vor allem welche persönlichen Erfahrungen jeder in seinem Umfeld so macht.

 

Bei einem der Gespräche kamen wir zwangsläufig  auch auf mein Steckenpferd zu sprechen, dem Regelbruch. Im Zentrum des Gesprächs stand die Feststellung, dass der Regelbruch leider ein viel zu schlechtes Image hat. Wer Regeln bricht wird gleich als Rebell, schwarzes Schaf oder Unruhestifter gesehen.

 

Regeln brechen steht ganz im Fokus von Straftaten.  Veruntreuung von Firmengeldern, Steuerhinterziehung, um nur einige Beispiele zu nennen oder so vielem mehr. Daher ist es auch nicht verwunderlich wenn Führungskräfte dem Regelbrechen mit einer ausgeprägten Skepsis entgegentreten. Regelbrecher in der Organisation zu haben, bedeutet doch nichts als ärger! So das Credo in den Führungsetagen.

 

Regelbrecher in der Organization zu haben bedeutet nichts als Ärger

 

Daher, so wurde mir im weiteren Gesprächsverlauf erklärt, sei es besser im Gespräch mit Führungskräften nicht von Regeln brechen zu reden, sondern davon, Regeln zu umgehen. Interessanter Blickwinkel, so mein erster Gedanke. Und sicherlich nicht ganz falsch. Eine Regel zu umgehen, das hört sich nicht ganz so hart an wie eine Regel brechen. Im Gegenteil, irgendwie steckt doch fast etwas charmantes im Regeln umgehen. Wir machen eben mal einen kleinen gemütlichen Spaziergang um die Regel herum. Nichts aufregendes, nichts dramatisches. Ganz im Gegensatz zum Regelbruch.

 

Auf dem nach Hause Weg habe ich intensiver über das Gespräch nachgedacht.  Ob mein Blog FredsFuture gleich am Begriff "Regelbruch" scheitert? Ob ich meinen Slogan ändern muss? Nicht mehr "Regeln brechen und Zukunft gestalten" sondern "Regeln umgehend die Zukunft gestalten!".  Es zwar spannend, der Konversation meiner Gedanken freien Lauf zu lassen.

 

Am Ende der 40 minütigen Heimfahrt  war mein Bauchgefühl eindeutig. Mit Regeln brechen fühle ich mich wohler.  Auch wenn das noch nicht salonfähig ist. Den managementtauglicher wäre wohl Regeln umgehen. Für mich ist das jedoch nicht das Gleiche und wenn ich wirklich Zukunft gestalten will, dann muss ich Regeln brechen.  Warum ich das so sehe möchte ich im Folgenden noch näher erläutern. 

 

Regeln umgehen

Laut Duden handelt es sich bei dem Wort "umgehen" um ein unregelmäßiges Verb mit drei Bedeutungen:

  1. Um etwas im Bogen herumgehen

  2. Etwas (unangenehmes) vermeiden

  3. Bei etwas so vorgehen, dass damit vermieden wird, etwas zu beachten, dem sonst entsprochen werden müsste.

 

In Bezug auf Regeln umgehen kommt sicherlich die dritte Bedeutung zur Geltung. Obwohl die ersten beiden ebenfalls spannend zu analysieren wären. Gerade in Bezug auf Zukunft gestalten. Doch einigen wir uns auf Bedeutung Nr. 3. Beim Umgehen einer Regeln muss ich einfach so vorgehen, dass ich vermeide die Regel zu beachten. Weil wenn ich die Regel beachten würde, dann müsste ich ihr ja entsprechen. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen.

 

Klassischerweise gibt es in Unternehmen Unterschriftenrichtlinien. Nehmen wir an in einem Unternehmen dürfen Mitarbeiter*innen ohne direkte Kostenstellenverantwortung Bestellungen bis 500 EUR tätigen. Jede Bestellung die den angegebenen Betrag übersteigt muss vom direkten Vorgesetzten genehmigt werden. Jetzt ist der Vorgesetzte aber auf Urlaub und es wird dringend Material im Wert von 700 EUR für ein Kundenevent  benötigt. Die Mitarbeiter*innen können die Regel umgehen, indem sie einfach mehrere kleinere Bestellungen beim Lieferanten aufgeben. Sie sind so vorgegangen, dass sie vermieden haben etwas zu beachten. Nämlich die 500 EUR Bestellgrenze für ihren Kompetenzbereich.

 

Regeln umgehen bedeutet den Lernprozess im Unternehmen zu umgehen

 

Was hat das Verhalten dem Unternehmen gebracht? Außer das ineffektiv gearbeitet wird, da ein Prozessschritt unnötiger Weise mehrmals ausgeführt werden muss. Nicht zu vergessen, dass eventuell höhere Kosten durch mehrere Bestellvorgänge entstanden sind. Doch der Wirkliche Knackpunkt liegt darin, dass kein Lernprozess an gestartet wird. Das Unternehmen kann sich nicht entwickeln und wird auch in Zukunft ineffektiv arbeiten.

 

Regeln brechen

Im Duden finden wir gleich acht Bedeutungen von brechen.

Mir persönlich gefällt die Nr. 4 "etwas, was sich als Barriere darstellt, durchbrechen, überwinden" und die Nr. 6 "nicht mehr einhalten" sehr gut.

 

In der gängigen Literatur zum Thema Regebruch können wir folgende Definitionen finden:

  • Kaplan, (1980) definiert Regelbruch als das individuelle Verhalten gegenüber dem erwarteten Standardverhalten einer Gruppe.

  • Bei Morrison, (2006) wird der Regelbruch als das bewusste brechen einer explizit vorhandenen Regel definiert.

Umgelegt auf das obige Beispiel bestellen die Mitarbeiter*innen die benötigten Materialien in einer Bestellung und brechen somit die Regel. Sie geben eine Bestellung auf, zu der sie nicht autorisiert sind. Was hat das Verhalten dem Unternehmen gebracht? Schnelle und effektive Abwicklung der Bestellung zum Einen. Zum Anderen kann ein Lernprozess ins Laufen kommen, der aufzeigt, dass die Betragsgrenze von 500 EUR, die vor 15 Jahren eingeführt wurde, einfach nicht mehr dem aktuellen Preisniveau entspricht.

 

So ermöglicht das Brechen einer Regel eine Regelmodifikation, die das Unternehmen braucht, um weiterhin effektiv die Bestellungen abwickeln zu können.  Was bedeutet, das durch das Brechen von Regeln Entwicklungsschritte im Unternehmen in Gang gesetzt werden können.  Entwicklungsschritte die benötigt werden um die Zukunft im Unternehmen zu gestalten. 

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