Der isolierte Vorstand und die fehlende Innovation

August 21, 2017

Die Idee zu diesem Journal Eintrag kam mir beim Lesen eines Artikels in der Juli Ausgabe des Harvard Business Managers. Die Ausgabe wartet treffenderweise mit dem Titel "Haben Sie das Zeug zum Chef?" auf. Der angesprochene Artikel selber titelt "Isolieren sie sich nicht!". Dabei wird ein kaum bekanntes aber wohl breit verbreitetes Problem behandelt. Die Isolation von Führungskräften.

 

Während ich am Strand vom Grundlsee, ganz gemütlich in der Sonne liegend, den Artikel las, ging mir sofort das Zitat von  Karl Deutsch durch den Kopf  "Macht ist das Privileg nicht lernen zu müssen".  Doch was ist damit gemeint? Was sind die Gründe für die Isolation von Top Manager*innen und wie kann sich ein Vorstand aus der Isolation befreien?

 

3 Gründe warum Vorstände von wichtigen Informationen isoliert werden

 

# 1 - keiner liebt den Überbringer schlechter Nachrichten.

Wer kennt das nicht, das Gefühlt wenn man im Vorstandszimmer sitzt und genau weiß, dass die Nachricht, die man übermitteln soll,  alles andere als positiv ist. In der Antike war es nicht selten, das Überbringer schlechter Nachrichten ausgepeitscht oder in extrem Fällen sogar den Kopf verloren haben. Nun muss ich ja zugeben, ausgepeitscht bin ich aufgrund der Übermittlung von schlechten Nachricht noch nicht geworden. Trotzdem kostet es mich jedes Mal ein gewisses Maß an Überwindung inkl. leicht feuchter Hände. 

 

Da ist zum einen Mal die Scham vor dem eigenen Versagen. Dabei spielt es gar keine Rolle ob ich es nun selber verbockt habe oder nicht. Irgendwie schwingt das so mit, ich habe versagt. Und seien wir ehrlich, wer von uns versagt den schon gerne. Eng verbunden damit ist die Angst, dass das negative an mir kleben bleibt, vielleicht sogar meine Karriere beeinträchtigt. Den schließlich wird mein Name im Zusammenhang mit der schlechten Nachricht in Verbindung gebracht. 

 

Persönlich kann ich mich gut auf das bevorstehende übermitteln der schlechten Nachricht vorbereiten. Ich habe euch zwei Links hinzugefügt, die ganz praktische Tipps geben um die schlechte Nachricht gut an den Mann / die Frau zu bringen.

 

 

Als Führungskraft stehe ich immer in der Gefahr, mich in einen Raum einzurichten, in dem es nur gute Nachrichten gibt. Daher ist es wichtig, das Führungskräfte von sich aus aktiv werden und die Mitarbeiter*innen motivieren gerade auch mit schlechten Nachrichten zu ihnen zu kommen. Den jede verschleppte negative Nachricht kostet dem Unternehmen Geld. 

 

# 2 - der Vorstand kennt den Weg

Mit der Karriere scheint es manchmal wie mit dem Bergsteigen zu sein. Je höher es geht, desto dünner wird zwar die Luft. Doch dafür wird man vom Gipfel mit einem grandiosen Weitblick belohnt. Während das mit der dünnen Luft noch immer aktuell sein mag, scheint mir das mit der guten Aussicht nicht mehr ganz zeitgemäß zu sein. Den je weiter oben jemand ist, desto weniger sieht er die Veränderung die sich bereits im Tal ankündigt. Das Tal liegt im Wandel und der wird immer schneller, unberechenbarer und unkalkulierbarer. So kann es sein, das erste zarte aber relevante Anzeichen des Wandelns von der Vorstandsetage nicht zu erkennen sind. Während die Menschen im Tal, also die Experten draußen am Markt, in der Produktion oder den einzelnen Fachabteilungen, die ersten Anzeichen für einen bevorstehenden Wandel bereits wittern. Der neue Tatbestand, den die VUCA-Welt so mit sich bringt, stellt Experten unterer Hierachiestufen vor eine nicht gehante Herausforderung. Bei meinen Recherchen bin ich auf die folgende Geschichte gestoßen.

 

"Neulich träumte ich, dass ich in einem Taxi durch Manchester gefahren werde. Ich habe einen Stadtplan dabei und sehe, dass wir fast am Ziel sind. Plötzlich legt die Taxifahrerin den Rückwärtsgang ein und rast in die falsche Richtung – in einem Tempo, in dem man sonst nur vorwärts fahren kann. Ich empfinde das seltsamerweise nicht als gefährlich. Der Grund, warum ich mich trotzdem unwohl fühle: Ich muss ihr sagen, dass sie falschliegt. Und ich weiß: Sie ist von ihrer Route überzeugt, obwohl sie keine Ahnung hat."

 

Meiner Meinung nach, liegt das Problem nicht nur bei der Taxifahrerin, sondern allgemein an der Erwartungshaltung gegenüber Taxifahrern. Es wird erwartet, dass sie sich auskennen. Das gleiche gilt für Vorstände. Von Vorständen wird erwartet, dass sie sich auskennen und vor Selbstvertrauen nur so überlaufen. Die Fähigkeit zu irren, sich nicht auszukennen kommt in der Job Beschreibung von Vorständen nicht vor. Ich denke, in der Zukunft wird es wichtig werden, die Erwartungshaltung gegenüber Vorständen zu überprüfen und anzupassen. Vorstände müssen den Freiraum bekommen sich irren zu dürfen, sich nicht auskennen zu müssen. 

 

# 3 - der Vorstand weiß alles

Vorstände wissen immer alles und haben auf jede Frage eine Antwort. Das ist zumindest die weit verbreitete Erwartungshaltung an Vorstände. Doch genau hier liegt ein großes Problem. Den ein Vorstand der immer nur Antworten gibt und keine Fragen stellt, dem fehlen wichtige Informationen. Informationen die aber notwendig sind um das Unternehmen in einer schnelllebigen Zeit steuern zu können. Mithilfe von intelligenten Fragen bekommt der Vorstand Einblicke in das Unbekannte. Wobei die Betonung hier auf "intelligente" Frage liegt. Der Innovationsexperte Clayton Christensen  hat es mal so ausgedrückt "zu jeder Antwort gehört eine Frage, die sie ausgelöst hat!" Oft ist es schwieriger die richtige Frage zu formulieren, als die richtige Antwort auf die Frage zu finden.  Habe euch einen Link zu einem ebenfalls interessanten Artikel mit praktischen Tipps zum Fragenstellen Die Lösung liegt in der Frage.

 

Somit ist, wenn man es ganz neutral und ohne Emotionen betrachtet, der isolierte Vorstand mit ein Grund für fehlende Innovationskraft in der Organisation. 

 

Da bleibt noch die Frage offen: Was kann ein Vorstand nun tun, um sich aus der Isolation zu befreien und somit auch die Innovationsfähigkeit in der Organisation positiv zu beeinflussen?

 

Im allerersten Schritt, sich der Tatsache der Isolation bewusst werden. Ich bin überzeugt, viele Vorstände wissen gar nicht, wie isoliert sie von wichtigen, überlebensnotwendigen Information sind. Doch wie immer im Leben ist Erkenntnis zwar der erste nicht aber der letzte Schritt. Jetzt müssen Taten folgen. 

Der Vorstand muss sich Zeit, Ressourcen und Energie ganz bewusst frei halten um immer wieder aus der eigenen Komfort-Zone auszubrechen. Damit meine ich nicht unbeholfen und belehrend in den Gängen der Organisation herum irren. Sondern mit Neugierde und intelligenten Fragen auf die Mitarbeiter*innen zugehen. Das Gespräch immer wieder suchen und sich dabei auch in die Rolle des Lernenden begeben. Dazu gehört zuhören aber vor allem sich auch bewusst als "Lernender" zu zeigen. Als Lernender der sich auch mal irrt und der nicht unfehlbar ist. Als Mensch, der nicht auf jede Frage eine Antwort hat. Sich bewusst in Situationen begeben in denen man sich als Vorstand nicht unbedingt wohl fühlt. Doch nur so kann es gelingen die Mauern der Isolation zu durchbrechen. 

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