Wagen oder klagen (3) Effect.... und was wirst du wenn du mal groß bist? - Teil 2

July 31, 2017

Nach dem wir uns im letzten Beitrag die Prinzipien und den Problembereich von Effectuation angeschaut haben, wollen wir uns im aktuellen Beitrag der Logik und dann final dem Prozess von Effectuation widmen. Doch bevor wir das tun, ein kleiner Rückblick, das wesentliche Zusammenfassen soll.

 

Effecutation ist das Resultat einer Studie von Saras D. Sarasvathy zum Thema Unternehmertum. Im Mittelpunkt stand die Frage nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden erfolgreicher GründerInnen im Prozess der Unternehmensgründung.  Effecutation liegt ein Problembereich, Prinzipien, eine Logik und ein Prozess zu Grunde. Die ersten zwei Themen haben wir bereits im ersten Teil erarbeitet. 

 

(3) Die Logik

Wie bereits im letzten Beitrag erörtert findet der Effecutation Ansatz seine Wirkung im Problembereich des Unbekannten. So ist es auch der Problembereich, aus dem sich die anzuwendende Logik ableiten lässt. Immer dann, wenn Ursache und Wirkung aufgrund von Erfahrungswerten in Beziehung gebracht werden können herrscht zumindest eine gewisse Kausalität. Die Logik der Kausalität entspricht der Logik der Voraussagung. Eigentlich logisch, oder?  Machen wir es praktisch mit einem Beispiel:

 

Kausale Logik - die Logik des Voraussagens im Management

Als ManagerIn habe ich das Ziel meine Handelsspanne im laufenden Geschäftsjahr um +1,5% zu erhöhen. Auf dem heimischen Markt kann ich Preissteigerungen nur bedingt durch setzten. Zu viele gute alternativ Produkte sind für den Kunden leicht zugänglich. In der kausalen Logik nehme ich das Ziel, die Steigerung der Handelsspanne um 1,5% als gegebenen hin und selektiere die Hilfsmittel, mit denen ich das Ziel erreichen kann. Preissteigerungen kann ich nicht durchsetzen, also muss ich an den Herstellkosten arbeiten. Billiger im Einkauf von Rohstoffen werden und/oder die Wertschöpfungskette voll durch optimieren. Ich sage die Zukunft voraus, +1,5% Handelsspanne und selektier dann die dafür notwendigen Mittel.

 

Wir sehen, im Kausalprozess wird ein bestimmtes Ergebnis oder eine bestimmte Auswirkung als gegebenen hingenommen. Es werden lediglich die notwendigen Mittel selektiert, mit denen das Ziel erreicht werden kann. Ich sage also voraus, dass ich meine Handelsspanne um 1,5% steigern werde.

 

Die Domäne des Managements baut auf eindeutige Daten, planbare Zukunft, fixe Ziele. Es gilt der Grundsatz "alles was wir vorhersagen können, brauchen wir nicht steuern!"

 

Logik der Effectuation - die Logik des Gestaltens im Unternehmertum

In unserer Serie haben wir bereits gelernt, dass Effectuation im Problembereich des Unbekannten zu Hause ist. Hier komme ich als ManagerIn mit der kausalen Logik schnell an meine Grenzen. Zu viele Variablen die Ursache und Wirkungszusammenhänge zu unbekannten Begleitern machen. Aus diesem Grund setzt Effectuation eine andere Logik voraus. Die Zukunft wird gestaltet. Ihr merkt, da sind wir dann auch schon wieder bei meinem Thema: die Zukunft zu gestalten. Dabei fokussiere ich mich auf die vorhandenen und bekannten Mittel, die mir jetzt zur Verfügung stehen. Mit dem vorhandenen selektiere ich dann verschiedene Ergebnisse die damit erreicht werden können. Wie, ein Projekt starten ohne ein fixes Ziel definiert zu haben? Klingt ein bisschen abstrakt für unser kausal-trainiertes Managementhirn? Machen wir es doch ganz praktisch und knüpfen an unser Beispiel von oben an.

 

Startpunkt sind jetzt die mir zur Verfügung stehenden Mittel. Dabei stelle ich mir drei Fragen:

  • Wer bin ich?

  • Was weiß ich?

  • Wen kenne ich?

Mit diesen Mitteln können folgende Ergebnisse durch eigenes Handeln realisiert werden. Ich kann herausfinden wie unser Produkt unseren Kunden besser unterstützen kann und ob die neue Technologie dabei eine Hilfe sein kann. So komme ich schnell ins Handeln. Da ein guter Freund von mir Kunde ist, kann ich ihn begleiten um herauszufinden welche Hilfe er wirklich benötigt. Schon bin ich im Handeln, im aktiven Austausch mit meinem Kunden und fange an die Zukunft zu gestalten. Im Gegensatz zum obigen Beispiel ist das Ziel noch nicht fix definiert, sondern definiert sich erst im Laufe der Zeit. Da ich nicht weiß, ob ich am Ende eine 1,5% Steigerung in der Handelsspanne habe, sage ich die Zukunft nicht voraus. Dafür gestalte ich die Zukunft und am Ende habe ich vielleicht ein neues Produkt das mein Geschäftsmodell grundlegend auf den Kopf stellt, neue Kunden gewinnen lässt und ich weit aus mehr Gewinn erzielen kann als im obigen Beispiel. 

 

Die Domäne des Unternehmertums baut auf verhandelbare Ziele, somit eine ungewisse Zukunft. Sie folgt dem Grundsatz "alles was wir selbst steuern und beeinflussen können, brauchen wir nicht vorherzusagen!"

 

(4) Der Prozess

 

 

 

 

Alles das, was wir in den letzten beiden Beiträgen kennengelernt haben, findet sich im Effecutation Prozess wieder. Das Prinzip der Mittelorientierung ist der Startpunkt in unserem Prozess. Durch das Exponieren des Vorhabens kann ich selektiv sinnvolle Partnerschaften eingehen. Diese Partnerschaften können mein Vorhaben beeinflussen, in dem neue Mittel zur Verfügung gestellt werden. Sei es Finanzen, Ressourcen, KnowHow, etc. Durch Partnerschaften können aber auch neue Ziele definiert werden. So wird im Tun, im Handeln die Zukunft gestaltet. 

 

Jetzt nehme dir mal fünf Minuten Zeit und überlege welche Regeln in deinem direkt Umfeld alle gebrochen werden müssen, damit die Logik der Effectuation auch angewendet werden kann. Ich freue mich sehr über deinen Input und deine Erfahrungen. 


Somit hätten wir den 2-Teiler "Effect.. und was wirst du wenn du mal groß bist" zu Ende geführt. In der Serie "wagen oder klagen" haben wir uns bereits zwei von drei Prozess-Sets gewidmet die notwenig sind, damit Organisationen experimentieren können. Den Prozessen des Experiments und den Prozesses der Effectuation. Im nächsten Beitrag widmen wir uns dann den Prozesses des Change Managements. 

 

 

Literaturliste:

Govindarajan, V., & Trimble, C. (2004). Strategic Innovation and the Sience of Learning. MIT Sloan Management Review, 45(2), 67–75.Grichnik, D., & Gassmann, O. (2013). Das unternehmerische Unternehmen: Revitalisieren und Gestalten der Zukunft mit Effectuation - Navigieren und Kurshalten in stürmischen Zeiten (2013. Aufl.). Wiesbaden: Springer Gabler.

Sarasvathy, S. D. (2003). Entrepreneurship as science of the artificial. Journal of Economic Psychology, 24(2), 203–220.

Sarasvathy, S. D. (2009). Effectuation: Elements of Entrepreneurial Expertise. Edward Elgar Publishing Ltd.

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/effectuation.html

http://www.effectuation.at

 

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