Oh nein, etwa die Ausfahrt verpasst?!

May 29, 2017

In meiner Theorie Serie "wagen oder klagen" habe ich ja bereits zwei Artikel zum Thema organisationale Experimente veröffentlicht. Da dachte ich, es ist an der Zeit mir ein paar Gedanken rund um das Thema Experimente in Organisationen zu machen. Meinen Blick zu öffnen und meinen Gedanken freien lauf zu lassen. Zugegeben, meinen Gedanken freien lauf zu lassen, dass kann unter Umständen gefährlich werden. Für mich, aber auch für mein Umfeld. Zu leicht verrenne oder verlaufe ich mich in meinen Gedanken. Orientierung habe ich dann in einem Artikel von Sara Critchfield gefunden. Der Titel "How to push your team to take risks and experiments" hatte sofort meine Aufmerksamkeit.

 

Entsprechend meinem Anspruch an mich selber, nicht einfach das nächste "best practice" zu sein, haben mich die ersten Zeilen des Artikels schon angesprochen. Den auch Sara Critchfield betont, dass Innovation, was ich gleich setzte mit Zukunft gestalten, in einem Klima der "best practices" nicht wirklich entstehen können. Innovation brauchen ein ganz anderes Klima. Ein Klima des Experimentierens, in dem jeder Mitarbeiter sich als Mitverantwortlich für das Ergebnis sieht.  

 

Wie können Führungskräfte ein solches Klima schaffen? Ich möchte zwei, wie ich denke, relevante Schritte hervorheben. Der erste ist, unterschiedliche Denkweisen nicht nur zu erlauben, sondern explizit zu fördern. Im Bildungssystem der 80er und 90er (das ich auch noch genießen durfte) wurden wir darauf trainiert, dass eine Aussage entweder richtig oder falsch sein kann. Im Umkehrschluss, dass es für ein Problem nur eine richtige Lösung gibt, dafür viele falsche. Wir beherrschen also bestens das konvergente Denken. Im konvergenten Denken werden die Merkmale zusammen geführt, analysiert und zielen auf eine einzig richtige Lösung ab.  Dem Gegenüber steht das divergente Denken. Hier wird offen, unsystematisch und spielerisch an das Problem herangegangen. Jetzt darf nicht der Fehler begangen werden und das divergente Denken mit kreativen denken zu verwechseln. Ziel des divergenten Denkens ist es viele verschiedene Antworten zu einem bestimmten Problem zu erzeugen.

Hört sich doch gut an, oder? Es gibt auch nur ein kleines Problem bei dir ganzen Sache, unsere mentalen Landkarten. Die meisten von uns müssen erst wieder lernen aus alten Denkmustern auszubrechen, nicht mehr nur in richtig oder falsch zu denken und Freude an der Vielseitigkeit von Lösungen entwickeln. Hier lese ich gerade ein spannendes Buch und entdecke das Tetralemma als eine interessante Methode zum Querdenker zu werden. Bin mir sicher, dass ich hier und da noch etwas mehr zu dem Thema Tetralemma berichten werden. 

Was braucht es aber noch neben dem divergenten Denken? Eigentlich fast schon wieder logisch, eine gesunde Fehlerkultur

 

Ok, das ist jetzt wirklich ein heikles Thema. Den behauptet heutzutage nicht jede Organisation eine gute Fehlerkultur zu haben? Auf schönen Folien, die so ganz dem Corporate Identity entsprechen, werden die Mitarbeiter ermutigt Fehler zu machen und bekommen die viel zitierte Erlaubnis zu scheitern. In wie vielen Fällen die Erlaubnis dann auch noch im Ernstfall gilt? Das steht leider oft auf einem anderen Blatt Papier geschrieben. Es ist ja auch nicht einfach. Was bitte schön ist den eine gesunde Fehlerkultur? Den gleichen Fehler immer und immer wieder zu machen, dass scheint jetzt nicht unbedingt das erstrebenswerte Ziel zu sein. Daher möchte ich vielleicht ein paar Zeilen dem Thema widmen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass das größte Problem einer gesunden Fehlerkultur das Fehlerzugeständnis selbst ist. Zu gerne wird in Organisationen mit Fehlern "ping pong" gespielt. Dafür bietet die vieler Orts weitverbreitete Struktur der Silo Organisation ja auch die besten Voraussetzungen. Du wolltest schon immer einmal in einer Besprechung deine Kollegen sprachlos sehen? Dann habe ich einen ganz einfachen Trick für dich. Wenn in der nächsten Besprechung über einen Fehler gesprochen wird, dann sage mit ruhiger und gelassener Stimme die drei magischen Worte "ich hab's verbockt!" und erfreue dich an dem was dann geschieht. Glaub mir, du wirst deinen Spaß haben. 

 

Für mich persönlich bringt eine gesunde Fehlerkultur die Formulierung von Laurence Johnston Peter auf den Punkt. Er sagt "Fehler vermeidet man, in dem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht."

Beide angesprochenen Schritte um den Weg vom "best practice" zum "next practice" zu meistern, sind keine einfache Aufgabe. Beide sind nicht getan indem vom Top Management Wortparolen ausgerufen werden und lässige Powerpoint Folien gezeichnet werden. Hier bedarf es einer kontinuierlichen Vorbildfunktion Top-Down, und das über Monate gar Jahre hinweg. Die über Jahrzehnte aufgebauten und gut entwickelten mentalen Muster in den Köpfen der Mitarbeiter und in der Organisationskultur lassen sich nicht mit einmal Aktionen ändern. Hier ist Mut und vor allem Ausdauer gefragt.  

 

Ich möchte jeden von euch ermutigen, in diesen Punkten nicht gleich aufzugeben, sondern dran zu bleiben. Im ganz klassischen Sinn geht es hier einen Schritt vorwärts und einen halben zurück. Beharrlichkeit und Ausdauer sind daher gefragt. Gerade deswegen ist es so wichtig, sich immer wieder von anderen ermutigen zu lassen, sich auszutauschen und zu wissen, man ist nicht der einzige Alien da draußen. Es gibt noch mehrere! 

 

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