Wagen oder klagen (2) und es hat boom gemacht

May 22, 2017

 In meinem letzten "Wagen oder klagen Beitrag" ging es um den allgemeinen experimentellen Charakter von Organisationen. Neben den Gründen für das Experimentieren in Organisationen wurden die dafür notwendigen Rahmenbedingungen kurz an gedacht. Eine dieser Rahmenbedingungen ist es, dass Prozesse für das Experimentieren in der Organisation implementiert sind. Der heutige Beitrag widmet sich daher den Prozessen des Experimentierens. 

 

Doch bevor wir uns den Prozessen widmen, vielleicht noch eine grundsätzliche Definition vorab. Was ist den eigentlich ein Experiment? Bei dem Wort alleine, ist es nicht weit hergeholt, zuerst mal an das Kosmos Chemie-Labor zu denken. An den verrückten Professor, der aus dem verqualmten Labor springt und dabei seine Schüler ganz vergisst. Auf jeden Fall, hat das Wort Experiment die Fähigkeit lustige Bilder in unseren Köpfen zum Vorschein zu bringen und bringt uns zum Schmunzeln. Daher sollten wir schnell wieder sachlich werden und uns dem Gabler Wirtschaftslexikon widmen. Dort wird ein Experiment definiert als " Erhebung empirischer Sachverhalte zur Prüfung von Hypothesen. Dabei müssen mehrere Arten von Variablen unterschieden werden."

 

Die Definition enthält schon wichtige Information über die Beschaffenheit eines Experiments. Zu aller erst, es ist eine planmäßige Erhebung. Somit kann ein Experiment nicht einfach willkürlich, wenn es mir gerade in den Kram passt durchgeführt werden. Es bedarf einer Planung und somit einer Vorlaufzeit.

 

Zuerst möchte ich kurz auf die einzelnen Prozess Schritte eingehen um dann den Prozess Beispielhaft an einer möglichen Fragestellungen durchzugehen.

 

(1) Der Prozess

 Im eigentlichen Sinne durchläuft ein Experiment folgende Schritte. An erster Stelle steht die Fragestellung. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass die Fragestellung überhaupt durch ein Experiment beantwortet werden kann. Zu berücksichtigen sind dabei die Kosten für das Experiment und ob der Ergebnis messbar bzw. beobachtbar ist. Wenn die Fragestellung geklärt und für geeignet befunden wurde, werden im nächsten Schritt Hypothesen gebildet. Das sind gut formulierte und nachprüfbare Vermutungen die in einem Ursache-Wirkungs-Zusammenhang formuliert werden. Erst nachdem Fragestellung und Hypothesen geklärt sind, wird das Experimentendesign ausgearbeitet. Beim Design gilt es darauf zu achten, dass das Experiment wiederholbar ist, interpretiert und skaliert werden kann. Um zu überprüfen, ob das Design funktioniert und um böse Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt es sich sogenannte Vortests zu machen. Fehler im Design können so schnell gefunden werden und das Risiko unnötige Ressourcen zu verschwenden wird vermieden. Die Vortests sind gemacht und keine bösen Überraschungen zu Tage gekommen? Dann ist jetzt die Zeit für das eigentliche Experiment. Wichtig, das alles gut und ordentlich protokolliert wird. Am Ende steht die Auswertung  & Überprüfung der Ergebnisse. Sind die Ergebnisse plausibel und korrekt? Erst jetzt erfolgt die Umsetzung oder Kommunikation der Ergebnisse. 

 

Wie sagte Levin so schön "nichts ist praktischer als eine gute Theorie!". Daher mochte ich jetzt wie versprochen ein mögliches Praxisbeispiel folgen lassen. Ziel ist es, eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, wie Experimente auch außerhalb der Naturwissenschaften eingesetzt werden können und in der Organisationsentwicklung oder der Geschäftsmodell Innovation zum Einsatz kommen können. 

 

(2) Praxisbeispiel

Für mein Praxisbeispiel habe ich mir ein Beispiel für die Organisationsentwicklung genommen.                                                                                                                                                       

Du bist in deinem Unternehmen für das Projektmanagement zuständig und hast in einer einschlägigen Fachzeitschrift etwas über Scrum gelesen. Laut diesem Artikel ist Scrum eine agile Methode zur Produktentwicklung und wird besonders gern bei Softwareentwicklungen angewandt. Schon lange hörst du Beschwerden von internen Kunden, dass die Softwareentwicklung eher kundenunfreundlich ist und die erzielten Ergebnisse Unzufriedenheit auslösen. Jetzt überlegst du, ob Scrum eine Methode ist, die in euren Softwareentwicklungsprojekten zur Anwendung kommen könnte. In eurem Unternehmen gibt es keine Erfahrungen was Scrum betrifft. Daher wäre es ein hohes Risiko all eure Softwareentwicklungsprojekte auf Scrum umzustellen, ohne irgendwelche Daten oder Erfahrungswerte zu haben. Sicherlich kannst du dich mit anderen Fachexperten unterhalten, die bereits Scrum in ihrem Unternehmen eingeführt haben. Jedes Unternehmen, jede Organisation aber ist anders und besitzt eine eigene DNA. Du musst herausfinden, ob Scrum auch zu der DNA eurer Organisation passt und wie eine Einführung am Besten designed werden kann. Dafür eignet sich am Besten ein Experiment, mit dem Ziel schnell und kostengünstig Daten zu liefern. 

 

 

 

Das Template beinhaltet alle wichtigen Informationen für das Experiment. Die Zielsetzung, aus der sich die Fragestellung ableitet. Die Hypothese (können auch mehrere sein) und das Design des Experiments. Welche Aufgabe soll herangenommen werden für das Experiment? Wie schaut der zeitliche Horizont aus? 

 

Um auch vom Experiment zu profitieren, ist es wichtig die Daten aus dem Experiment zu sammeln und zu dokumentieren. Mit einem überschaubaren Invest und einer Dauer von einem Monat können erste Erfahrungen mit Scrum gesammelt werden. Nach dem Experiment kann dann eine Entscheidung getroffen werden, ob die Einführung von Scrum in der Organisation Sinn macht und wenn ja welche Voraussetzungen dafür noch geschaffen werden müssen. 

 

Wichtig ist, dass Experimente in einem geschützten Raum stattfinden können. Dadurch werden zwei Ziele erreicht: die Akteure bekommen einen Freiraum in dem sie geschützt agieren können und Scheitern erlaubt ist. Auf der anderen Seite wird der operative Betrieb nicht gestört. 

 

Gerade im Bereich der Organisationsentwicklung und Geschäftsmodell Innovation sind Experimente ein Tool mit denen mehr als nur Thesen getestet werden können. Durch das Experimentieren kann vollkommenes Neuland erschlossen werden. Es bereitet den Weg vom Bekannten ins Unbekannte. 

 

Eines ist noch wichtig, und das sollten alle beachten die gerade Prozesse des Experimentierens in ihren Organisationen einführen wollen. Die Prozesse unterliegen anderen Richtlinien und Strukturen als die sonst üblichen Prozesse auf der Prozesslandkarte von Organisationen. Gerade in Bezug auf Effizienz und die zur Verfügung gestellte Zeit. 

 

In meinem nächsten Beitrag in der Theory Serie "Wagen oder klagen" widme ich mich den Prozessen der Effectuation. Organisationen die erfolgreich Experimente durchführen wollen benötigen neben den Prozessen des Experimentierens die Prozesse der Effectuation und des Change Managements.  

 

 

 

 

Literaturliste

  • Berger-Grabner, D. (2013). Wissenschaftliches Arbeiten in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: Hilfreiche Tipps und Praktische Beispiele (Auflage: 2.,  u. erw. Aufl. 2013). Wiesbaden: Springer Gabler.

  • Eppler, M. J. (2014). Grundriss für ein Experiment. OrganisationsEntwicklung, 14(3), 36–37.

  • Rheinberger, H.-J., & Roehl, H. (2014). Mit den Händen denken. OrganisationsEntwicklung, 14(3), 11–14.

  • Wübbenhorst, K., & Maier, G. W. (2017, Januar 26). Experiment. Abgerufen 26. Januar 2017, von http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/56960/experiment-v9.html

 

 

 

 

 

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