Sind wir nicht alle ein bisschen VUCA

April 8, 2017

Eine Frage die mich seit einigen Wochen begleitet, "sind wir nicht alle ein bisschen VUCA?" Nun gut, vielleicht nicht alle, ich jedoch schon. Aber fangen wir ganz langsam und von vorne an. Zuerst mal was ist eigentlich VUCA und woher kommt es. Was bedeutet es in der Wirtschaftswelt und dann die alles entscheidende Frage, was um alles in der Welt hat das mit mir zu tun. 

 

VUCA ist ein noch recht junges Akronym das jedoch schnell Karriere machte. Die Anfänge von VUCA liegen überraschender Weise im Militär. Dort taucht der Begriff zum ersten mal in den 90er Jahren im U.S. Army War College auf. Die Buchstaben stehen für "volatility, uncertainty, complexity und ambiguity". Zu gut deutsch also für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität.

Mittlerweile ist VUCA ein "It-Wort", das in renommierten Management Fachzeitschriften nicht fehlen darf. Unternehmen und Organisationen müssen sich die Frage stellen lassen, ob sie fit sind für diese VUCA Welt. Consulting Unternehmen arbeiten an Werkzeugen und Methoden um die Manager für die Anforderungen der neuen Welt auszurüsten. Universitäten stellen ihre MBA Programme um und ergänzen diese durch VUCA-Workshops. 

Keine Frage, Organisationen und Unternehmen in der VUCA-Welt zu managen und die Mitarbeiter zu führen ist keine einfache Aufgabe. Ich möchte das kurz erläutern. 

 

 

Volatil, oder einfach auch, schwankend, sprunghaft. Die Welt in der wir arbeiten und als Unternehmen überleben müssen wird unberechenbarer. Konnte ich als Manager jahrelang vertrauen, wer meine Kunden und vor allem Konkurrenten sind, so ist das heute nicht mehr der Fall. Ein plötzlich und unvorhergesehenes Ereignis ändert von heute auf morgen die Kundenbedürfnisse. Man denke nur an den schrecklichen Vorfall in Fukushima. Bis heute kämpfen die großen Energieversorger mit den geänderten Kundenwünschen in Bezug auf nachhaltige Energiegewinnung. Da geriet sogar die Politik unter Druck und in Deutschland wurde als Nachwirkung der Ereignisse von Fukushima der Ausstieg aus der Atomkraft bis 2020 beschlossen. Wissen das über Jahrzehnte in den Energieunternehmen angesammelt wurde inkl. der notwendigen Fähigkeiten wird in naher Zukunft nicht mehr benötigt werden. Das unberechenbare hat eine ganze Branche ins wanken gebracht. Dabei bezieht sich unberechenbar nicht nur auf grosse katastrophale Ereignisse. Nehmen wir zur Abwechslung mal die Automotiv Branche. Keine Sorge, auf einen diffusen Abgasskandal wird hier und jetzt nicht eingegangen. Wer von den großen Automobilherstellern hatte vor 8 Jahren Tesla als ernstzunehmenden Konkurrenten auf der Agenda stehen. Würde mal sagen, keiner. Und auch die Automotiv steht vor einem großen Umbruch, Digitalisierung, autonomes Fahren und die Elektromobilität nich zu vergessen werden die Branche grundlegend verändern. Und es ist kein geringerer als Tesla der den Wandel proaktiv vorantreibt. In einigen Automobilzeitschriften wird die Geschichte der Elektromobilität in die Zeit vor und die Zeit nach Tesla unterteilt. 

 

Unsicherheit, herrscht über die Märkte, die darin befindlichen Variablen sowie ihre kausalen Abhängigkeiten. Welche Technologien werden in den nächsten drei Jahren disruptiv auf mein Marktumfeld einwirken? Und wie können und werden die Technologien die Kundenwünsche und -bedürfnisse beeinflussen und verändern. Und welche Mitarbeiter und Fähigkeiten muss ich bis dorthin in meinem Unternehmen aufgebaut haben? Es sind genau solche Fragestellungen die vielen Managern und Führungskräften Kopfschmerzen bereiten. Alle wissen nur, oder denken zu wissen, dass das aktuelle Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Aber wie schaut das Neue aus? 

 

 Nicht nur das Manager unter Volatilität und Unsicherheit ihr Unternehmen steuern müssen. Durch verschiedene Faktoren wird die Welt zunehmend Komplexer. Einer der wesentlichen Treiber ist die Digitalisierung. In ihr verschmelzen die Grenzen des Unternehmens mit denen seiner Umwelt. Mitarbeiter und somit auch das Wissen vernetzen sich. Kommunikationsprozesse lassen sich nicht einfach nur mehr in Top-Down und Bottom-Up unterteilen und steuern. Kommunikation findet vernetzt durch alle Ebenen und über Unternehmensgrenzen hinaus statt. Laut der IBM Global CEO Study 2010  sehen die befragen Personen Komplexität als die Herausforderung Nummer 1. Daher haben einige Unternehmen begonnen ihre Manager in der Komplexitätsbewältigung auszubilden. 

 

Viel Mühe und Kraft kostet dem Manager die Mehrdeutigkeit, also die Ambiguität. Wenn die vorliegende Information nicht eindeutig interpretiert werden kann, Widersprüche oder Zweideutigkeiten im Rollenverständnis auftauchen. Das ist das "wir haben den Mann auf dem Mond gesehen." Phänomen. Den der Satz kann bedeuten, es war auf dem Mond, als wir den Mann gesehen haben. Oder das es der Mann auf dem Mond war, denn wir gesehen haben. 

 

 Nun aber zur Einstiegsfrage, sind wir nicht alle ein bisschen VUCA? Die bisherigen Betrachtungen und auch die bisher durchforschte Literatur beschäftigt sich mit dem VUCA-Konzept rein aus der Perspektive von Unternehmen und Organisationen. Es sind die Unternehmen die in einer VUCA-Welt überlebensfähig bleiben müssen und die Manager die die notwendigen Fähigkeiten dafür benötigen. Aber wie schaut es mit mir als Individuum aus? Als Person, als Mensch lebe ich auch in der VUCA-Welt.  

 

Auch mein Leben unterliegt Schwankungen, und damit meine ich nicht die Schwankungen in meinem Aktiendepot. Meine Zukunft wird auch unberechenbarer. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich Ende der Neunziger eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolvierte. Das war ein sicherer Job. Bei den Banken musste man sich keine Sorgen um seine Zukunft machen. Allein wenn ich diesen Satz jetzt so lese, muss ich einfach nur schmunzeln. Jetzt mit Anfang vierzig, welche Fähigkeiten muss ich mir aneignen um weiter am Markt bestehen zu können? Es ist unvorhersehbar, welche Aufgaben und Jobs in Zukunft mit Hilfe von Robotern und AI erledigt werden. Und auch meine kleine Welt wird zunehmend Komplexer. Die Drone, welche in Zukunft mein Päckchen vor die Haustür liefert. Mein Kühlschrank der mit meinem Fernseher kommuniziert und dabei Daten über das Netz schickt, von denen ich nicht einmal weiß, dass sie existieren. Und nicht zu vergessen mein Auto, das mich ganz autonom von einem Ort zum Anderen bringt. Und sich schon bei der Programmierung der Software der Entwickler entscheiden musste, ob das Auto mich oder den entgegen kommenden Fahrer schützt. Und begegnen auch mir nicht ständig Widersprüche und Zweideutigkeit in meinem ganz normalen Alltag. Fake News die in rasanter Geschwindigkeit über die sozialen Netzwerke verteilt werden. Was kann ich noch glauben? Und genau so wie Unternehmen und Organisationen aufgefordert sind, sich auf diese Zukunft  vorzubereiten und diese proaktiv mitzugestalten. So denke ich, bin auch ich aufgefordert mich auf diese Zukunft vorzubereiten und diese in meinem Umfeld proaktiv mitzugestalten. Und auch da habe ich viele Variablen und Unbekannte, deren Wechselwirkungen mir komplett schleierhaft sind. Doch ich möchte jemand sein der Windmühlen baut und keine Mauern. Das VUCA-Konzept hilft mir dabei ganz persönlich mein Bewusstsein zu schärfen und mich auf die Herausforderungen einzustellen. 

Ja, ich bin VUCA. Ich freue mich auf die Herausforderungen der Zukunft und möchte dieser mit Kreativität und Freude begegnen.

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