Das Dilemma mit der Regel (1) - Grab der Rebellen

March 5, 2017

 Teil 1: die Definition

 

In der Theorie Serie "Das Dilemma mit der Regel" wollen wir uns intensiv mit Regeln auseinander setzten. Heute gehen wir der Frage nach, was um alles in der Welt ist den eine Regel? 

Den Start unserer gemeinsamen Reise macht das Gabler Wirtschaftslexikon. Dort wird eine Regel als eine Gleichförmigkeit der Erscheinung definiert, die aus zwei Komponenten besteht, einer Bedingung und der daraus folgenden Schlussfolgerung. Dabei unterscheidet die Literatur zwischen Regel und Routine. 

 

Für alle Lesefaulen das Video mit den wesentlichen Inhalten. Jeder ist natürlich herzlich zum weiter Lesen eingeladen

 

 

 

  • Regel: explizit in der Organisation formalisiert. Hierarchisches Verhältnis das Handlungsoptionen einschränkt.

Organisationen sind wechselnden Problemen und Herausforderungen ausgesetzt. Eine Teilaufgabe von Regeln ist es, Lösungen anzubieten. Somit machen Regeln Probleme und Herausforderungen sichtbar und bieten Lösungen dazu an. 

Interessant und oft vergessen ist der Aspekt des hierarchischen Verhältnisses. Je weiter unten man in der Hierarchiekette hängt, desto kleiner wird der Auswahl an Handlungsoptionen. Vor diesem Hintergrund erscheint der Artikel im Harvard Business Manager 02/2017 unter dem Titel "Rebellen gesucht" als gut gemeinter Hilferuf. Die Mitarbeiter im Unternehmen langweilen sich aufgrund ihrer eingeschränkten Handlungsoptionen. Was zur Folge hat, dass das Unternehmen unproduktiv und unbeweglich wird. Wie bitte schön sollen eingeschränkte Mitarbeiter, deren Handlungsspielraum oft nicht größer als ein Hundezwinger ist, Schwung und Bewegung ins Unternehmen bringen? Auf die nicht vorhandene Innovationskraft möchte ich jetzt gar nicht näher eingehen. Und was passiert wenn jetzt wie wild die sogenannten Rebellen von Außen gesucht und eingestellt werden?

 

Dazu gleich mehr, doch zuvor wollen wir das Bild vervollständigen und uns den Routinen widmen. 

  • Routine: implizit in der Organisation vorhanden. Wurzel des Verhaltens.

Im Gegensatz zu Regeln sind Routinen implizit in der Organisation vorhanden. Routinen habe die Aufgabe die Regeln zu übersetzen, also zu interpretieren. Dabei erfüllen sie zwei wichtige Aufgaben. Sie liefern standardisierte Lösungen für typische Probleme in Organisationen. Und sie schließen die Lücke, die durch nicht vorhandene Regeln entstehen. Und die Lücken entstehen automatisch. Da die Regelmacher nicht in der Lage sind alle möglichen Eventualitäten in ihrer Regel zu berücksichtigen. 

 

Routinen können auch als die Wurzel des Verhaltens bezeichnet werden. Eine Regel kann per se immer nur relevante Information liefern. Nicht aber das Verhalten der Mitglieder in der Organisation bestimmen. Auf Grundlage des bestehenden Regelwerks verständigen sich die Betroffenen auf ein entsprechendes Verhalten. Das dann in den Routinen exekutiert wird. Formalisierte Regeln werden also in den Köpfen der Mitarbeiter als nicht formalisierte Routinen abgebildet. 

 

Ebenfalls in der Literatur werden Routinen als das Gedächtnis der Organisation beschrieben. Die Begründung liegt in der Beobachtung, dass Organisationen lernen, indem sie Rückschlüsse auf Problemlösungen in Routinen verschlüsseln. Die dann das aktuelle Verhalten der Mitglieder in der Organisation beeinflussen. 

 

  • Zusammenführung von Regeln und Routinen

 Ziel ist es Verhalten zu koordinieren und Lösungen für aktuelle Probleme zu finden. Dabei liefern Regeln die notwendige Information, welche in den Köpfen der Mitarbeiter als nicht formalisierte Routinen abgebildet werden. Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, wenn ich das Verhalten von Mitarbeitern ändern möchte, geht das nur in dem ich das formale Regelwerk modifiziere

 

Jetzt aber zur Antwort auf die oben gestellte Frage? Was passiert wenn ein Unternehmen wie wild Rebellen sucht und diese dann auch noch einstellt?

 

Die Antwort findet sich in der Definition. Den demnach geht es darum eine Gleichförmigkeit herzustellen. Sprich selbst neue, noch voll motivierte Rebellen sind einer Gegenkraft ausgesetzt. Nein, ich muss mich korrigieren, zwei Gegenkräften ausgesetzt. Die Kräfte des bestehenden Regelwerkes wirken von oben herab. Und von unten wirken die Kräfte der frustrierten und demotivierten Mitarbeiter. Also voller Beschuss von zwei Seiten. Was übrig bleibt ist der sichere Tod. 

Der Rebelle  stirbt, entweder aktiv, in dem er das Unternehmen verlässt. Oder passiv, in dem er sich anpasst. Und so wird der viel gesuchte nicht konforme Mitarbeiter schnell zum konformen Mitglied der Organisation. Was übrig bleibt, ein Grabstein mehr auf dem Unternehmens Friedhof der so dringend gesuchten Rebellen. 

 

Aus diesem Grund müssen zuerst von den Führungskräften die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Und das bitte schön Top-Down. Es muss für alle eine Atmosphäre geschaffen werden, die es aktuellen wie neuen Mitarbeitern erlaubt das bestehende Regelwerk zu hinterfragen und aus der Konformität auszusteigen. 

 

Im nächsten Teil von "Das Dilemma mit der Regel" wollen wir uns die genauer die Funktionen von Regeln in Organisationen anschauen. 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Please reload

  • Facebook - Black Circle
  • Twitter - Black Circle
  • YouTube - Black Circle